SCHULNACHRICHTEN

Das Gymnasium im Kannenbäckerland informiert... 885. Ausgabe

Hautnah

Hautnah – so durften Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums im Kannenbäckerland und der Ernst-Barlach-Realschule plus am 28.02.20 die Lebensgeschichte von Liesel Binzer erleben.

Als Frau Binzer, geboren 1936 in Münster/Westfalen, mit ihrer Familie ins Ghetto nach Theresienstadt deportiert wurde, war sie gerade mal fünf Jahre alt. In den Jahren 1941-1945 durchliefen ca. 15.000 Kinder dieses Konzentrationslager, sie wurden von Theresienstadt in Vernichtungslager wie Auschwitz verbracht, wo sie ermordet wurden.

Ein solches Schicksal blieb Frau Binzer erspart, sie war eines der nur etwa 150 Kinder, die in Theresienstadt überlebten. Ein Umstand, den sie selbst als Wunder bezeichnet, denn obwohl sie im KZ schwer erkrankte und zunächst auf einer der Deportationslisten stand, kann sie heute ihre Geschichte und die ihrer Verwandten, die nicht überlebt haben, erzählen. Das empfinde sie, wie sie den Schüler/innen sagte, als ihre Pflicht, damit diese Menschen nicht vergessen werden.

Ihr Vortrag war illustriert durch die wenigen erhaltenen Bilder ihrer Familienmitglieder, von deren Schicksalen sie in anrührend sachlichen Worten berichtete. Gerade diese Sachlichkeit, gepaart mit der Trauer, die aus Frau Binzers Worten sprach, sowie dem Wissen um die Umstände in Konzentrationslagern berührte die Anwesenden sehr. Im voll besetzten Mehrzweckraum des Gymnasiums hätte man in den Sprechpausen eine Stecknadel fallen hören können und auch nach dem Vortrag verließen viele Schüler/innen den Raum mit nachdenklich gesenktem Kopf.


Dieses Zeitzeugengespräch war eine nun immer seltener werdende Gelegenheit, unschätzbare Einblicke in die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Systems zu gewinnen und damit ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie wichtig es ist, auch heute wachsam zu sein. Insbesondere als Frau Binzer äußerte, sie habe heute aufgrund der zunehmenden rassistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Äußerungen in der Gesellschaft und Politik wieder Angst, sah man betroffene Gesichter bei allen Schüler/innen. Deshalb fiel ihre Bitte, die jungen Menschen mögen alles tun, um zu verhindern, dass sich so etwas wie der Nationalsozialismus noch einmal wiederholt, auf fruchtbaren Boden. Die Schüler/innen seien nicht verantwortlich für das, was vor über 70 Jahren geschehen sei, aber wohl für das, was jetzt und in Zukunft geschehe, weshalb Frau Binzer eindringlich bat, jeder solle sich klar positionieren und fremdenfeindlichen Parolen widersprechen.

Beide Schulen sowie die anwesenden Schüler/innen und Lehrer/innen dankten ihr sehr herzlich für ihren Besuch. Ein weiterer Dank galt Frau Christ von der evangelischen Gemeinde Höhr-Grenzhausen und Herrn Wolfram vom Projekt „Demokratie leben“, die dieses außergewöhnliche Gespräch ermöglicht haben.

Nino Breitbach
Schulleiter
Gymnasium im Kannenbäckerland Höhr-Grenzhausen

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