Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2019


In diesem Jahr fand die feierliche Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus in der evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen statt. Nach der musikalischen Eröffnung durch die jüdische Klezmer-Künstlerin Odelia Lazar und den Gitarristen Michael Wienecke begrüßte Pfarrerin Monika Christ die zahlreichen Bürgerinnen und Bürger, die zur Feierstunde gekommen waren.

 


 


 

Im Verlauf der Gedenkfeier folgten Lesungen aus drei Texten mit den Titeln „Ankunft, Leben und Sterben  im KZ-Auschwitz“. Diese Schriften wurden u. a. von jüdischen Häftlingen verfasst und nach der Befreiung des KZ Auschwitz auf dem Lagergelände gefunden. Mit bewegenden Worten wird darin der unvorstellbar brutale und menschenverachtende Umgang mit den Inhaftierten dargestellt, die Bilder der gezeigten Videopräsentation verdeutlichten den Beitrag auf erschütternde Weise.

 

Bürgermeister Thilo Becker veranschaulichte in seiner Ansprache unter anderem die Erinnerung an Hermann Geisen. In der nach ihm benannten Straße in Grenzhausen sowie den benachbarten Straßenzügen waren die jüdischen Familien zuhause, an die heute im Rahmen des Holocaust-Gedenktag erinnert und gedacht wird. Hermann Geisen war Kommunist und floh aus Höhr-Grenzhausen, nach dem er nach der sogenannten Machtergreifung für einige Wochen in Schutzhaft verbringen musste. „Hermann Geisen hatte andere politische Vorstellungen und Ideale, für die er verfolgt und in Berlin-Plötzensee am 21. April 1943 - am Geburtstag seiner Frau Emma - unter dem Fallbeil hingerichtet wurde. Wir gedenken heute der Mitbürger, die der Tyrannei des Nazi-Regimes zum Opfer gefallen sind, stellvertretend für die Millionen-Toten, die in Konzentrationslagern oder bei Todesmärschen ums Leben kamen oder ermordet wurden“, so Bürgermeister Thilo Becker.

 


 

Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Gymnasiums im Kannenbäckerland hatten im Rahmen des evangelischen Religionsunterrichtes einen Beitrag erarbeitet, in dem es um die Kinder und Jugendlichen des Nerother Wandervogelbundes während der NS-Zeit geht. Dabei wurde recherchiert, wie die Nationalsozialisten - trotz erzwungener Selbstauflösung der Nerother im Jahre 1933 - einerseits deren Strukturen für ihre Zwecke benutzten und für die Hitlerjugend beispielsweise die Kleidung kopierten und Lieder zensierten, umschrieben oder komplett untersagten mit dem Ziel, die Jugendlichen in die „NS-Gesellschaft“ einzugliedern. Andererseits hoben die Schüler/innen hervor, wie sich Mitglieder der Nerother im  Widerstand engagierten und weitere Treffen abhielten mit der Folge, dass sie von den Nationalsozialisten verfolgt, inhaftiert und gefoltert wurden. 

 


 

 

Mit dem Vorlesen der Namen der 25 ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus Höhr-Grenzhausen und Hilgert wurde abschließend an deren jeweiligen Schicksale  erinnert.

 

Die evangelische Kirchengemeinde sowie die Verbandsgemeinde und die Stadt Höhr-Grenzhausen gestalteten die würdevolle Gedenkfeier gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern des Kurses für evangelische Religion und ihrem Lehrer Gernot Kober-Golly (Gymnasium Kannenbäckerland) sowie Stefan Wolfram („PAuL e. V.“ als Teil des Bundesprogrammes „Demokratie Leben!“) und Rolf Knieper (Opferberatung „m-power“). Die Beratungsstelle „m-power“ ist eine vom Bund geförderte, mobile Beratung für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

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